Dritter Sieg in Folge gegen Gärtringen

Als die letzte Minute im Landesliga-Spiel der TSG Young Boys Reutlingen gegen den FC Gärtringen anbrach hatten sich die meisten der 55 Zuschauer auf dem Kunstrasen-Fußballplatz in der Ringelbachstraße mit einem torlosen Unentschieden an diesem tristen Herbsttag abgefunden. Harun Güney nicht. »Auf geht's Jungs, hier geht noch was«, feuerte der Spielmacher der Young Boys seine Teamkollegen lautstark an. 

Innenverteidiger Abdoulie Drammeh fühlte sich offenbar angesprochen, dribbelte in der ersten Minute der Nachspielzeit bis tief in die gegnerische Hälfte und schickte Panagiotis Nakos mit einem perfekten Zuspiel Richtung Tor. Der Stürmer ließ sich diese Chance nicht entgehen und schob den Ball an Gärtringens Torwart Johannes Nestler vorbei ins Netz zu seinem bereits neunten Saisontor. Danach kannte der Jubel keine Grenzen mehr. 

»Das haben wir heute echt spannend gemacht«, sagte Young-Boys-Trainer Jörg Junger mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Mit dem 1:0 (0:0)-Sieg hat sich seine Mannschaft an Gärtringen vorbei auf Tabellenrang sieben vorgeschoben - die beste Platzierung in dieser Saison. In den 90 Minuten vor Nakos' umjubelten Siegtreffer haben die Reutlinger allerdings die Effektivität vermissen lassen - auch der Torjäger selbst. Nakos vergab in der ersten Halbzeit zweimal (18., 22.) aus aussichtsreicher Position. In der 71. Minute wurde Fatmir Karasalihovic mit einer mustergültigen Flanke von Ante Galic bedient, doch freistehend im Fünfmeterraum traf der Mittelfeldspieler den Ball nicht richtig.

Viele Fouls und Nickeligkeiten

»Aber auch Gärtringen hatte richtig gute Chancen«, gab Junger zu bedenken. Nach 33 Minuten verhinderte TSG-Torwart Erik Rapp mit einem starken Reflex gegen Timo Heinemann den Rückstand für die Gastgeber. Bei einem Kopfball von ihm (50.) rettete die Latte. Und eine Viertelstunde vor Schluss schloss Timo Theurer überhastet ab. Die hoch und weit geschlagenen Bälle, die Hauptangriffswaffe der Gäste, hatte die Innenverteidigung Drammeh/Matthias Kunst dagegen zu jeder Zeit im Griff. Das Spiel gegen Gärtringen war ein Abnutzungskampf, geprägt von vielen Fouls und Nickeligkeiten - vor allem vonseiten der Gäste. Davon haben sich die Young Boys aber nicht provozieren lassen und ruhig weitergespielt. 

»Wir haben als Mannschaft geschlossen agiert«, fand Junger. Bis vor wenigen Wochen sah das oft noch anders aus. Da motzen sich die Spieler gerne mal untereinander an, wenn es nicht lief. Jetzt bauen sich die Kicker gegenseitig auf, wenn es nötig ist - siehe Güney. Nach personellen Veränderungen in der Mannschaft haben die Young Boys einen neuen Teamgeist entwickelt. »Jeder kämpft für jeden«, freut sich Junger. Damit wird auch die derzeitige Personalnot kompensiert. Nur drei Ersatzspielern saßen auf der Bank, weil sich Dennis Hagan an der Schulter verletzt und Justin Noah Giorgis sich beim Treppenlaufen einen Bänderriss zugezogen hat. (GEA)