Nach dem Schlusspfiff schickte Jörg Junger, Trainer der TSG Young Boys Reutlingen, seine Spieler sofort in die Umkleidekabine. Ein klares Zeichen, dass bei der 0:2-Heimniederlage in der Landesliga gegen den SV 03 Tübingen einiges nicht in seinem Sinne verlief. »Spielerisch war das gar nicht schlecht«, sagte Junger, aber mit der Einstellung war er gar nicht zufrieden. »Nach zehn Minuten sind wir irgendwie eingeschlafen. Der letzte Wille hat dann gefehlt.« 

Bis dahin zeigten die Hausherren, was sie zu leisten imstande sind: technisch anspruchsvollen, schnellen Fußball mit Zug zum Tor. Justin Giorgis hatte nach sieben Minuten die Führung auf dem Fuß, spitzelte den Ball aus rund fünf Metern aber über das Tor. Danach verstrickten sich die Young Boys in Einzelaktionen und überambitionierten diagonalen Flugbällen - bis der Faden gerissen war.

Ganz anders die Tübinger. Die befreiten sich allmählich von dem Druck der Hausherren, ohne jedoch selbst vorne gefährlich zu werden - bis drei Minuten vor der Halbzeit. Da schlug Innenverteidiger Oliver Braun einen perfekten Diagonalball auf den linken Außenverteidiger Marc Kurzynski. Der drang in den Strafraum ein und passte in den Rückaum, wo Stürmer Felix Müller den Ball versenkte. 

»Wir waren vorne sehr effektiv«, lobte 03-Trainer Robert Hofacker seine Mannschaft, die zudem »defensiv stabil stand«. So kamen die Reutlinger zu kaum mehr zu nennenswerten Torchancen. Die Gäste wiederum demonstrierten ein weiteres Mal ihre Effektivität. Nach einem Eckball von Moritz Weise wuchtete Kevin Borek (52.) den Ball per Kopf ins Netz. Borek (59.) nach einem Missverständnis in der Young-Boys-Abwehr und Weise (89.) mit einem Freistoß an die Latte hätten das Ergebnis sogar noch in die Höhe schrauben können. Nach zwei Niederlagen zum Auftakt war Hofacker aber rundum zufrieden mit seinem Team, das trotz teils aufgeheizter Stimmung »immer cool geblieben« ist. Sein Trainer-Kollege Junger musste dagegen noch einen weiteren Rückschlag verkraften. In der 70. Minute knickte Mittelfeldspieler Fatmir Karasalihovic ohne Gegner-Einwirkung um. Es sah nicht gut aus, wie er nach dem Spiel in die Kabine humpelte. (GEA)

Der SV Nehren hat die vierte Runde des WFV-Pokals mit einem 4:1-Heimsieg über die TSG Young Boys Reutlingen erreicht. Überschattet wurde das Derby der beiden Fußball-Landesligisten allerdings von der wohl schweren Verletzung von Young-Boys-Spielmacher Ercan Acar. Sein schmerzerfüllter Schrei schockierte sowohl die Beteiligten beider Mannschaften als auch die Zuschauer. Kurz vor der Halbzeit landete der 31-Jährige nach einem Kopfball-Duell so unglücklich mit seinem rechten Bein, dass ihm kurzzeitig die Kniescheibe heraussprang. Er wurde für weitere Untersuchungen sofort in eine Klinik gebracht. 

»Das tut mir für Ercan unendlich Leid«, sagte Nehrens Trainer Stefan Dieze direkt nach dem Spiel, »er hat auch bei uns in der Mannschaft einige Kumpels«. Für Young-Boys-Trainer Jörg Junger fiel die Pokal-Niederlage »etwas zu hoch« aus. Am Ende war für ihn aber nur noch Nebensache. Er machte sich nur noch Sorgen um Acar. Und darum, dass er in Zukunft womöglich lange Zeit ohne seinen wichtigsten Mann auskommen muss. Die Verletzung von Acar war für Junger dann auch der Knackpunkt im Spiel. »Das hat meine Jungs richtig aus dem Konzept gebracht.«

Bis dahin war Acar Dreh- und Angelpunkt des Reutlinger Spiels. Er leitete die Führung der Gäste durch Panagiotis Nakos (11.) mit einem öffnenden Pass auf Vorlagengeber Götz Gaiser ein. Und auch danach gingen die meisten gefährlichen Aktionen der anfangs überlegenen Young Boys von seinen klugen Pässen aus. Für den unerwarteten Ausgleich sorgte Nehrens Spielertrainer Philipp Reitter (25.) mit einem direkt verwandelten Freistoß. Beim Flachschuss ins kurze Eck stand laut Junger die Mauer etwas falsch. Und auch das zweite Gegentor durch Raphael Nill nur zwei Minuten später »haben wir uns quasi selbst reingelegt.« 

Doch auch ohne Acar hatten die Gäste nach der Pause durch den eingewechselten Dennis Hagan (54.) und Ante Galic (57.) gute Chancen zum Ausgleich. Doch die nun spielbestimmenden Hausherren waren effektiver, sodass Jakob Braun (60.) und der eingewechselte Dennis Murr (75.) die Partie entschieden. Nehren-Trainer Dieze träumt nun für die nächste Pokalrunde von »einem richtigen Kracher«. Er selbst habe zu seiner Zeit bei der TuS Metzingen einmal gegen die Stuttgarter Kickers spielen dürfen. »Das war ein einmaliges Erlebnis«, so Dieze, »das würde ich meinen Jungs auch gerne einmal wünschen.« (GEA)

Nach einem spektakulären Heimspiel gegen die SF Gechingen, feierten die TSG Young Boys Reutlingen mit einem 4:2 (1:0) am zweiten Spieltag ihren ersten Saisonerfolg in der Fußball-Landesliga. Dabei behielten die Fußballer vom Ringelbach unter schwierigen, sehr heißen Bedingungen einen kühlen Kopf und machten den Dreier kurz nach dem Seitenwechsel, vor allem dank Stürmer Panagiotis Nakos, klar. 

In einer ansehnlichen ersten Halbzeit, in der beide Mannschaften, trotz hoher Temperaturen, engagiert in die Zweikämpfe gingen, verpassten es die Reutlinger ein ums andere Mal in Führung zu gehen. Nakos per Lattenknaller und Alessio Bennardo scheiterten jeweils knapp. Von den Gästen war im letzten Spielfeld-Drittel nicht viel zu sehen, wie auch Young-Boys-Coach Jörg Junger anmerkte: »Wir waren im ersten Durchgang durchaus überlegen, hatten auch sehr gute Möglichkeiten, waren vor dem Tor aber zu unkonzentriert. Daran müssen wir in Zukunft definitiv arbeiten.«

Ansprache zeigt Wirkung

Trotz der mäßigen Chancenverwertung war es Fatmir Karasalihovic, der seine Farben quasi mit dem Pausenpfiff mit 1:0 in Führung brachte (45. Minute). In den zweiten 45 Minuten fast das gleiche Bild: Die Reutlinger im Vormarsch und mit guten Chancen. Die Ansprache in der Kabine schien Früchte getragen zu haben, denn Nakos machte den Gechingern mit einem Dreierpack binnen fünf Minuten fast im Alleingang den Garaus (60., 62., 65.). Dazwischen gelang es dem Gast, in Person von Marsel Cicak, zwar der 1:2-Anschlusstreffer (62.), doch aus Sicht der Gechinger war dies nur ein Strohfeuer. Nach der 4:1-Führung spielten die Young Boys die Uhr gekonnt herunter. Eine von Schiedsrichter Özgür Tan angeordnete Trinkpause - welches es auch in der ersten Hälfte gab - konnte den Gästen auch nicht mehr helfen. 

Lediglich ein kosmetischer Treffer war den Sportfreunden noch vergönnt: Cicak mit seinem zweiten Treffer (85.) zum 4:2-Endstand. »Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung der Mannschaft«, lobte Junger seine Schützlinge nach der Partie. »Mitte der zweiten Halbzeit ging den Gechingern die Luft aus und wir waren da, um Kapital daraus zu schlagen. Nun müssen wir nur noch an unserer Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor arbeiten.« (GEA) 

»Sind auf einem guten Weg«

BÖSINGEN. Fußball-Landesligist TSG Young Boys Reutlingen hat sein Auftaktspiel beim VfB Bösingen mit 0:3 verloren. »Angesichts der personellen Umstände schon seit der Vorbereitung war das aber gar nicht so schlecht«, sagte Co-Trainer Jürgen Mössmer, der für den sich noch im Urlaub befindenden Cheftrainer Jörg Junger die Kommandos gab. Leistungsträger wie Alessio Bennardo und Harun Güney waren auch noch in den Ferien, andere wie Ercan Acar und Ante Galic kehrten erst am Tag zuvor zurück. Dazu sagte Torwart Eric Rapp kurzfristig verletzt ab, sodass der Feldspieler Jozo Josipovic, der seine Karriere eigentlich schon beendet hatte, einspringen musste. 

Aber auch nach der Führung der spielstarken Bösinger nach knapp einer halben Stunde hielten die Young Boys noch mit und hatten ihrerseits Chancen, vor allem nach Standardsituationen - bis das 0:2 (65.) für Aufregung sorgte. »Da gab es vorher ein klares Foul, dass der Schiedsrichter übersehen hatte«, regte sich Mössmer über die Szene auf, die aus seiner Sicht spielentscheidend war. »Danach machten sich Auflösungserscheinungen breit.« Für seine Spieler hatte Mössmer aber Verständnis. Er sah einige Ansätze, die ihn zuversichtlich stimmen: »Wir sind auf einem guten Weg.« (GEA).